Leseprobe

Tod im Schatten der Burg - Die Sau ist tot

 Als Konstanze erwachte, wusste sie nicht, wo sie sich befand. Über ihrem Bett sah sie nur ein kleines Notlicht. Vor ihren Augen baumelte eine Schnur mit einer Klingel am Ende. In ihrer rechten Hand steckte eine Braunüle, die an einem durchsichtigen Schlauch hing. Sie musste in einem Krankenhaus sein. Vorsichtig drehte sie den Kopf, erst nach links, dann nach rechts. Da war niemand. Sie war ganz allein im Raum. Sie überlegte. Was hatte das zu bedeuten? Sie erinnerte sich nicht daran, wie sie hierher gekommen war.

Wenig später ging die Tür zu ihrem Krankenzimmer auf und eine Schwester trat an ihr Bett. Konstanze schloss die Augen und tat so, als würde sie immer noch schlafen.Als die Schwester neben ihrem Bett hantierte, öffnete Konstanze die Augen zu einem Schlitz. Sie konnte erkennen, dass gerade ein neuer Beutel mit Infusionsflüssigkeit an den durchsichtigen Schlauch angeschlossen wurde.

Erst als sich die Tür hinter der Schwester wieder geschlossen hatte, öffnete Konstanze die Augen erneut und sah an sich hinab. Vorsichtig tastete sie über ihren Bauch, über ihre Arme. Sie bewegte die Finger und die Fußzehen. Sie konnte alles spüren – auch die Schmerzen. Ihr Kopf brummte.

So sehr sie sich auch anstrengte, sie konnte sich nicht erklären, wie sie hierher gekommen und was vorgefallen war. Sie war so müde und konnte sich nicht konzentrieren. Bald darauf schlief sie wieder ein. 

Als sich die Tür zum Krankenzimmer in der obersten Etage öffnete, schlief Konstanze immer noch. Den Mann, der an ihr Bett trat und sie betrachtete, bemerkte sie nicht.

„Mach nur keinen Blödsinn, Mädel“, flüsterte der Betrachter beim Anblick der schlafenden Konstanze. „Ich lass mir von dir nicht kaputt machen, was ich mir so mühsam aufgebaut habe. Du hast die letzten Jahre geschwiegen, und so soll es auch bleiben.“ Er sah in den Nachttisch und den Wandschrank, in der Hoffnung, dort zu finden, was er so dringend suchte. Doch vergebens – hier war nichts. Mit einem letzten grimmigen Blick auf die Schlafende verließ er das Zimmer. „Und wenn ich nachhelfen muss…“.