Leseprobe

Im Kalten Loch

 Die Vogelstimmen waren verstummt. Nur ein gleichbleibendes Rauschen war zu hören. Draußen war es dunkel geworden und durch das kleine Fenster fiel kein Licht mehr in den Raum.

Alexander lag auf dem Bettgestell und dachte angestrengt nach. Sein Kopf schmerzte immer noch und ihm war übel vor Hunger. Sein Kaschmirmantel vermochte es kaum, die Kälte abzuhalten. Er fror an den Beinen und den Füßen. Immer wieder hatte er Kniebeugen gemacht, um sich etwas aufzuwärmen. Doch er war geschwächt, denn ihm fehlten sowohl Flüssigkeit als auch Nahrung.

Ihm war klar geworden, dass er sich nicht allein aus seinem Gefängnis befreien konnte. Er konnte nur darauf warten, dass jemand vorbeikam. Irgendwie musste es ihm dann gelingen, auf sich aufmerksam zu machen. Aber wer wusste schon, wie lange das dauern würde. Zudem hatte er keine Ahnung, wo er sich befand. Er konnte es nur erahnen. Ab und zu glaubte er, die Fanfare eines Lkws zu hören. Das gleichbleibende Rauschen musste von Fahrzeugen auf einer größeren Straße oder Autobahn herrühren. Falls diese nicht gerade in der Nähe des Dorfes lag und leicht zu Fuß zu erreichen war, konnte die Spaziergängerin mit ihrem Hund am Nachmittag auch mit einem Auto hierhergekommen sein. Vielleicht führte sie ihren Hund nur sonntags aus. Die einzige Hoffnung auf Hilfe war, dass sie wiederkehrte oder ein anderer Spaziergänger vorbeikam.

Wut machte sich ihn ihm breit. Er fühlte sich hilflos, seines Willens beraubt. Diese Machtlosigkeit konnte und wollte er nicht akzeptieren. An einen vorzeitigen, viel zu frühen Tod wollte er schon gar nicht denken.

Zornig zog er an der fest verankerten Kette. Doch die gab nicht einen Millimeter nach.